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Shopware 6 vs. Shopify 2026: Entscheidungshilfe für den Mittelstand

Shopware 6 vs. Shopify 2026: Entscheidungshilfe für den Mittelstand

Shopify ist die richtige Wahl, wenn ein Listenpreis für alle Kunden gilt und Hosting, Kasse und Zahlungsabwicklung nicht Ihr Problem sein sollen. Shopware 6 ist die richtige Wahl, sobald Kundengruppen eigene Preise haben, eine Warenwirtschaft Bestand und Preis vorgibt oder Freigabeprozesse im Bestellweg liegen. Entscheidend ist nicht die Artikelanzahl, sondern wie der Preis entsteht und wer ihn sehen darf.

· Aktualisiert: · 14 Min. Lesezeit · David De Matteo

DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE

  • ·Kundenindividuelle Preise und Freigabeprozesse im Bestellweg entscheiden die Frage vorab — dann ist Shopware 6 die Plattform und die weitere Diskussion praktisch beendet.
  • ·Ein Listenpreis für alle, überschaubares Sortiment, internationaler Versand und ein kleines Team: Dann ist Shopify schneller, günstiger und in der Summe die bessere Entscheidung.
  • ·Shopify ist gehostetes SaaS, Shopware 6 läuft selbst gehostet oder als Cloud und ist als Community Edition quelloffen. Daraus folgen Datenhoheit, Eingriffstiefe und Betriebsverantwortung.
  • ·Der Shopify-Checkout ist weitgehend vorgegeben. Das ist der größte Vorteil der Plattform und gleichzeitig ihre harte Grenze — beides gilt gleichzeitig.
  • ·Unsere Richtwerte netto: Shopify-D2C 12.000–25.000 €, Shopware 6 im B2B 25.000–60.000 €, Shop plus ERP 35.000–80.000 €. Lizenz, Abo und Hosting kommen jeweils separat.
  • ·Hirnworx ist Shopware 6 Advanced Developer über die Runourcode GmbH und offizieller Shopify Partner — an beiden Plattformen verdienen wir gleich viel.

Die meisten Vergleiche zwischen Shopware 6 und Shopify werden von Agenturen geschrieben, die genau eine der beiden Plattformen verkaufen. Das Ergebnis steht dann vor der ersten Zeile fest. Wir sind Shopware 6 Advanced Developer über die Runourcode GmbH in Langenzenn und offizieller Shopify Partner, und wir bauen zusätzlich Medusa-Shops. Beide Zertifizierungen sind prüfbar, und an beiden Plattformen verdienen wir dasselbe.

Deshalb ist dieser Artikel an einer Stelle unbequem: Er benennt Fälle, in denen Shopify die richtige Wahl ist, obwohl Shopware das größere und besser bezahlte Projekt wäre. Genauso benennt er Fälle, in denen ein Shopify-Store nach achtzehn Monaten an eine Wand läuft, die vorher sichtbar war.

Die Entscheidung fällt in der Praxis nicht an Funktionslisten. Sie fällt an vier Fragen: Wie entsteht der Preis, wer darf ihn sehen, welches System führt die Daten, und wer pflegt den Shop nach dem Go-Live. Wer diese vier Antworten hat, braucht keinen Funktionsvergleich mehr — die Plattform ergibt sich daraus fast von selbst.

Die Frage, die die Entscheidung vorab trifft

Brauchen Sie kundenindividuelle Preise und Freigabeprozesse im Bestellweg? Wenn ja, ist die Diskussion praktisch beendet, und die Antwort heißt Shopware 6. Kundenindividuell heißt dabei nicht Rabattcode, sondern: Der Preis für Artikel 4711 ist für Kunde A ein anderer als für Kunde B, er kommt aus der Warenwirtschaft, und im Shop wird er nur angezeigt, nicht gepflegt.

Freigabeprozess heißt: Ein Mitarbeiter darf bis zu einem Limit bestellen, darüber muss der Einkauf zustimmen. Oder: Technische Zeichnungen, Normen und CAD-Dateien sind erst nach Anmeldung sichtbar und gehören nicht in den Suchindex. Beides sind Mechaniken, die Shopware 6 im Standard vorsieht.

Auf Shopify lässt sich ein Teil davon über die B2B-Funktionen und über eigene Apps abbilden. Der praktische Unterschied ist, wie viel davon aus dem Standard kommt und wie viel Sie dauerhaft selbst verantworten. Jede Sonderregel, die über eine zugekaufte App oder eine eigene Entwicklung entsteht, ist ein Posten in der Wartung und ein Risiko bei jedem Plattform-Update. Bei einer Regel ist das unkritisch. Bei acht Regeln ist es ein zweites Projekt neben dem Shop.

  • ·Kundenindividuelle Preise aus dem ERP, die im Shop nur angezeigt und nicht gepflegt werden
  • ·Bestellfreigaben mit Limit und Zustimmung durch den Einkauf statt Sofortkauf
  • ·Angebotsanfrage als eigener Prozess neben dem Warenkorb, nicht als Kontaktformular
  • ·Freigaben für angemeldete Fachkunden auf Datenblätter, Normen und CAD-Dateien
  • ·Mindestbestellmengen und Verpackungseinheiten, die eine Eingabe auf Gebindegröße hochrechnen

Shopware 6 und Shopify über zwölf Kriterien

Die Tabelle beschreibt, wie sich die beiden Plattformen in den Punkten unterscheiden, die im Projekt Geld und Zeit kosten. Sie enthält bewusst keine Bewertung in Schulnoten, weil jede Zeile für unterschiedliche Geschäftsmodelle unterschiedlich viel wert ist. Die Zeile „Checkout-Anpassbarkeit“ ist für einen Markenshop ein Nebenaspekt und für einen Druckdienstleister mit Datei-Upload das entscheidende Kriterium.

KriteriumShopifyShopware 6
Betriebsmodellgehostetes SaaS, Hosting und Sicherheitsupdates liegen beim Anbieterselbst gehostet oder als Cloud-Variante, Community Edition quelloffen
B2B-Preislogiküber B2B-Funktionen und Apps abbildbar, Sonderregeln als eigene AppPreisgruppen, Staffeln und Nettoanzeige im Standard vorgesehen
Datenhoheit und Hosting-OrtDaten liegen in der Infrastruktur des Anbieters, Ort nicht frei wählbarHosting-Ort und Datenbankzugriff wählbar, inklusive Betrieb in Deutschland
Checkout-AnpassbarkeitAblauf weitgehend vorgegeben, Eingriffe an definierten Erweiterungspunkteneigene Kasse, über Templates und Plugins bis in den Ablauf anpassbar
Katalogtiefe und Variantenstark bei überschaubaren Sortimenten, Zusatzdaten über Metafelderauf tiefe Kategoriebäume und technische Facetten hin gebaut
ERP-Anbindungüber Connector-Apps oder eigene Middlewareim DACH-Raum erprobte Wege, etwa zu Microtech Büro+, SAP oder DATEV
Erweiterbarkeitgroßes App-Ökosystem, überwiegend im MonatsaboPlugin-Ökosystem mit DACH-Bezug plus eigene Symfony-Plugins im Projekt
Laufende Plattformkostentarifabhängiges Abo, Transaktionsgebühren und App-Abos, Hosting inklusiveLizenz je Edition oder Cloud-Abo, Hosting und Wartung separat
Time-to-MarketD2C-Shop typisch in 4–8 Wochen liveB2B-Projekt mit Theme, Preislogik und Migration typisch 10–16 Wochen
Team-AnforderungenRedaktion kann den Shop nach Schulung weitgehend selbst pflegenRedaktion pflegt Inhalte, Betrieb und Updates brauchen Entwicklerzugriff
Mehrsprachigkeit und MehrmandantenMärkte, Währungen und Sprachen als Plattformfunktionmehrere Verkaufskanäle mit eigenen Sprachen, Preisen und Themes in einer Instanz
Migrationsrisiko beim WeggangTheme, Apps und Sonderlogik sind plattformgebunden und werden neu gebautDatenbank und Code liegen bei Ihnen, Theme und Plugins bleiben plattformgebunden
Vergleich aus eigener Projektpraxis, Stand September 2026. Lizenz-, Abo- und Gebührenhöhen nennen wir nicht, weil sie tarifabhängig sind und sich unabhängig von einem Projekt ändern.

Keine Zeile dieser Tabelle entscheidet allein. Entscheidend ist, welche drei Zeilen für Ihr Geschäftsmodell die teuersten sind — und die stehen bei B2B-Händlern fast immer in den Zeilen Preislogik, ERP-Anbindung und Checkout.

Wofür Shopify die richtige Wahl ist

Shopify gewinnt, wenn ein Listenpreis für alle Kunden gilt. Das klingt banal und ist der härteste Filter überhaupt: Sobald es nur einen Preis pro Artikel gibt, entfällt der gesamte Bereich, in dem Shopware seine Stärke hat, und übrig bleibt eine Plattform, die Hosting, Kasse, Zahlungsabwicklung und Sicherheitsupdates mitliefert. Ihr Budget geht dann in Marke, Sortiment und Sichtbarkeit statt in Serverbetrieb.

Der zweite Fall ist internationale Expansion. Märkte, Währungen, Sprachverknüpfungen und regionale Zahlungsmethoden sind auf Shopify Plattformfunktionen. Auf Shopware sind sie ebenfalls möglich, aber Sie verantworten Betrieb, Skalierung und Verfügbarkeit in jedem dieser Märkte selbst. Wer in vier Länder verkauft und kein eigenes Betriebsteam hat, kauft sich mit dem Abo etwas, das er sonst als Dienstleistung einkaufen müsste.

Der dritte Fall ist die Teamgröße. Ein Shopify-Store lässt sich nach einer Schulung von einer Marketingperson pflegen: Sections zusammenstellen, Landingpages bauen, Kampagnen fahren. Ein Shopware-Shop braucht für Updates, Versionssprünge und Plugin-Pflege dauerhaft Entwicklerzugriff — intern oder über einen Wartungsvertrag. Wer beides nicht hat, betreibt nach zwei Jahren einen Shop, der nicht mehr wirtschaftlich aktualisierbar ist, weil zu viele Versionssprünge gleichzeitig anstehen.

Wir sagen das auch dann, wenn Shopware das größere Projekt wäre. Ein Markenanbieter mit 200 Artikeln, zwei Sprachen und einem Preis für alle bekommt von uns eine Shopify-Empfehlung im Scope-Dokument — Richtwert 12.000–25.000 € netto, Go-Live typisch in vier bis acht Wochen. Ein Shopware-Angebot über 30.000 € wäre in diesem Fall kein besseres Ergebnis, sondern verkaufte Architektur ohne Gegenwert.

  • ·Ein Listenpreis für alle Kunden, keine Kundengruppen und keine Konditionen aus dem ERP
  • ·Überschaubares bis mittleres Sortiment, das sich mit Produkten und Varianten abbilden lässt
  • ·Endkundenverkauf mit Marke, Produktfotografie und Erzählbedarf statt technischem Katalog
  • ·Mehrere Märkte mit Währungen und regionalen Zahlarten, aber ohne eigenes Betriebsteam
  • ·Go-Live in Wochen statt Monaten, weil ein Saison- oder Kampagnentermin feststeht
  • ·Pflege durch Marketing oder Redaktion ohne dauerhaften Entwicklerzugriff

Wofür Shopware 6 die richtige Wahl ist

Shopware 6 gewinnt, sobald mehrere Preise auf denselben Artikel treffen. Preisgruppen je Kundensegment, Staffelpreise nach Menge, kundenindividuelle Konditionen aus der Warenwirtschaft, Nettodarstellung für Einkäufer und trotzdem Bruttoausweisung, sobald ein Endkunde bestellt. Diese Mechanik ist im Standard vorgesehen, und das ist der eigentliche Unterschied — nicht, dass sie anderswo unmöglich wäre, sondern dass sie hier nicht aus zugekauften Teilen besteht.

Der zweite Bereich ist Sortimentstiefe. Bei fünfstelligen Artikelzahlen entscheidet die Suche über den Umsatz, nicht die Startseite. FeNau in Langenzenn ist dieser Fall: über 20.000 Metallbau-Artikel, mehrstufige Kategoriebäume je Warengruppe, Facetten nach Werkstoff, Abmessung, Bohrung und Maschenweite, integrierte Konfiguratoren für Gitterrost und Schiebetor sowie ein Checkout, der Fachbetriebe und Endkunden gleichzeitig bedient. Dokumentiert unter /referenzen/fenau-shop.

Der dritte Bereich ist Datenhoheit. Shopware 6 lässt sich selbst hosten, die Community Edition ist quelloffen, und Sie entscheiden über Hosting-Ort, Datenbankzugriff und Update-Zeitpunkt. Für Unternehmen mit Vorgaben zum Speicherort oder mit einem bestehenden Rechenzentrumsvertrag ist das kein weiches Argument, sondern ein Ausschlusskriterium in die andere Richtung. Der Preis dafür ist Betriebsverantwortung: Die offizielle Shopware-Dokumentation nennt Mindestanforderungen an PHP-Version, Datenbank und Arbeitsspeicher, die geteiltes Webhosting im untersten Preissegment regelmäßig nicht erfüllt.

Der vierte Bereich ist die Integration nach hinten. Angebunden haben wir Microtech Büro+, SAP und DATEV, von der Bestellung bis zum Packtisch. Derselbe Bauplan trägt Marktplätze: Beim OBI-Connector bleibt Shopware 6 führendes System und pusht Produkt, Preis und Bestand an den OBI-Marktplatz auf Mirakl-Basis, Webhooks spielen Bestellungen und Retouren zurück. Laut Projektdokumentation lagen dort über 1.700 ausgeführte Sync-Jobs bei 216 gepflegten Feldmappings und einer Erfolgsquote von 90,7 %.

  • ·Mehrere Preise auf denselben Artikel: Preisgruppen, Staffeln, kundenindividuelle Konditionen
  • ·Tiefe technische Sortimente, bei denen nach Norm, Werkstoff und Maß gesucht wird
  • ·Warenwirtschaft als führendes System für Preis und Bestand, mit Rückweg für Bestellungen
  • ·Vorgaben zu Hosting-Ort oder Datenzugriff, die ein gehostetes SaaS ausschließen
  • ·Konfiguratoren, die als Warenkorbposition in den regulären Bestellweg schreiben
  • ·Ein Verkaufskanal für Fachkunden und Endkunden gleichzeitig, mit getrennter Preisdarstellung

Der dritte Weg: Medusa und Headless

Es gibt einen Fall, in dem beide Plattformen die falsche Antwort sind: wenn der Preis erst nach einer Konfiguration existiert. Wenn Breite, Höhe, Material, Verarbeitung und Auflage den Betrag rechnen, führt eine Variantenmatrix in tausende Kombinationen, die niemand pflegt. Dann gehört die Rechenregel in eigenen Code. Medusa ist dafür unsere Basis: quelloffen, ohne Plattformlizenz, mit einer Next.js-Storefront davor. Printvertise läuft so, mit einem Produktkonfigurator für Druckprodukte.

Die ehrliche Gegenrechnung gehört dazu. Ohne Plattformlizenz heißt nicht günstiger. Was bei Shopify im Abo und bei Shopware in der Edition steckt — Hosting, Updates, Verfügbarkeit, ein fertiger Checkout — liegt hier vollständig in Ihrer Verantwortung. Unsere Richtwerte netto: Medusa-Headless 18.000–30.000 €, mit Konfigurator 30.000–60.000 €, jeweils plus Hosting, Zahlungsgebühren und Wartung. Das liegt neben den Shopware-Werten, nicht darunter.

Headless als Selbstzweck ist der häufigste Fehlkauf in diesem Bereich. Wer eine Headless-Storefront nur wegen der Ladezeit erwägt, sollte zuerst die Drittanbieter-Skripte im bestehenden Theme zählen — dort liegt der Engpass fast immer. Headless lohnt sich, wenn ein Content-Bestand mit dreistelliger Seitenzahl neben dem Katalog steht, wenn mehrere Märkte eigene Inhaltsstrukturen brauchen oder wenn das Frontend selbst Teil des Markenversprechens ist. Sonst ist es zusätzliche Komplexität mit zusätzlicher Wartung.

  • ·Sinnvoll, wenn Maß, Material und Auflage den Preis rechnen statt einer Artikelnummer
  • ·Sinnvoll, wenn der Kassenprozess selbst Teil des Produkts ist, etwa mit Datei-Upload
  • ·Unnötig, wenn sich das Sortiment mit Produkten und Varianten abbilden lässt
  • ·Setzt dauerhaft Entwicklerkapazität oder einen Wartungsvertrag voraus, nicht optional

Checkout: der ehrlichste Unterschied

Der Shopify-Checkout ist weitgehend vorgegeben. Das ist gleichzeitig das stärkste Argument für die Plattform und ihre klarste Grenze, und wer nur eine der beiden Hälften nennt, verkauft statt zu beraten. Der Vorteil: Ein Kassenprozess, den der Plattformbetreiber betreibt, testet und pflegt, inklusive Express-Zahlarten und Zahlungsabwicklung. Kein Projekt muss ihn bauen, und keine Migration muss ihn neu prüfen.

Die Grenze: Anpassungen laufen ausschließlich über die vom Anbieter vorgesehenen Erweiterungspunkte. Damit sind viele Eingriffe möglich, aber nur an diesen Stellen, und welche verfügbar sind, hängt zusätzlich vom Tarif ab. Wünsche außerhalb dieser Punkte sind nicht teuer, sondern nicht umsetzbar. Das ist der häufigste Punkt, an dem Erwartungen in Shopify-Projekten auseinandergehen — und wir klären ihn im Scope, nicht in der Umsetzung.

Shopware 6 betreibt eine eigene Kasse im eigenen System. Ein zusätzlicher Schritt für eine Datei, eine Mengenprüfung vor der Zahlung, eine abweichende Lieferadresse je Position, eine Freigabeschleife vor dem verbindlichen Klick: Das sind Entwicklungsaufgaben mit Preis, keine Machbarkeitsfragen. Der Preis dafür ist, dass Sie diese Kasse verantworten — Widerrufsbelehrung, Preisangaben mit Umsatzsteuer- und Versandhinweis, Bestellübersicht und Bestätigung gehören dann in Ihre Abnahme und nicht in die Zuständigkeit eines Plattformbetreibers.

Praktisch heißt das: Schreiben Sie vor der Plattformentscheidung auf, was in Ihrem Kaufprozess vom Normalfall abweicht. Bei FeNau war es der gemeinsame Checkout für Fachbetriebe und Endkunden mit getrennter Netto- und Bruttoaufschlüsselung. Bei Printvertise ist es der Datei-Upload, der je Artikel an unterschiedlichen Stellen gebraucht wird. Wenn diese Liste leer bleibt, ist der vorgegebene Checkout ein Geschenk. Wenn sie drei Zeilen hat, ist sie das entscheidende Argument.

B2B im Detail: wo genau der Unterschied liegt

Die Aussage „Shopware ist besser im B2B“ hilft niemandem. Nützlich wird sie erst, wenn man sie in einzelne Mechaniken zerlegt und für jede benennt, wie weit sie auf der jeweiligen Plattform aus dem Standard kommt. Die folgende Tabelle macht genau das. Die Spalte zu Shopify beschreibt, über welchen Weg die Anforderung dort typischerweise gelöst wird — nicht, dass sie unlösbar wäre.

Der Punkt ist die Summe. Eine Sonderregel über eine App ist unkritisch. Fünf Sonderregeln über vier Apps von drei Anbietern sind ein Abhängigkeitsgeflecht, das bei jedem Versionssprung getestet werden muss und bei dem ein eingestelltes Produkt unter Zeitdruck ersetzt wird. Genau an dieser Stelle kippt die Rechnung, und zwar meist zwischen dem zwölften und dem vierundzwanzigsten Monat.

B2B-MechanikShopifyShopware 6
Preisgruppen je Kundensegmentüber B2B-Funktionen oder App, abhängig vom TarifStandard
Staffelpreise nach Mengeüber B2B-Funktionen oder AppStandard
Kundenindividuelle Preise aus dem ERPeigene App plus Middleware, Preis wird eingespieltvorgesehen, Pflege bleibt im ERP
Nettodarstellung für angemeldete Fachkundenüber Konfiguration und App, brutto bleibt GrundmodellStandard, netto und brutto je Kundentyp
Angebotsprozess statt SofortkaufApp oder eigene Entwicklungüber B2B-Funktionen und eigene Plugins
Bestellfreigabe mit LimitApp oder eigene Entwicklungüber B2B-Funktionen abbildbar
Kreditlimit und RechnungskaufZahlungsanbieter plus App, Prüfung externZahlungsanbieter plus eigene Regel, Prüfung gegen ERP möglich
Freigaben auf Dateien und Datenblätterüber Kundenkonten und App-LogikStandard über Kundengruppen und Rechte
Einordnung aus eigener Projektpraxis. „Standard“ heißt: im Systemkern vorgesehen und ohne Zusatzprodukt konfigurierbar.

Gesamtkosten über drei Jahre

Ein Angebot beschreibt die Entwicklung, nicht den Betrieb. Wer zwei Plattformen über den Projektpreis vergleicht, vergleicht das falsche Drittel. Die Tabelle listet deshalb die Posten, die über drei Jahre tatsächlich anfallen — qualitativ und ohne Beträge, wo wir keine belegen können. Lizenz-, Abo- und Gebührenhöhen legen die Hersteller fest, sie hängen von Edition, Tarif und Zahlungsanbieter ab und ändern sich unabhängig von einem Projekt.

Unsere eigenen Richtwerte netto können wir nennen, weil es unsere sind: Shopify-D2C 12.000–25.000 €, Shopware 6 im B2B 25.000–60.000 €, Shop samt ERP-Anbindung 35.000–80.000 €. Für Betrieb und Pflege rechnen wir ab 150 € monatlich. Was daneben steht — Shopware-Lizenz oder Cloud-Abo, Shopify-Abo, Transaktionsgebühren, App- und Plugin-Kosten, Hosting — erfragen Sie vor der Entscheidung direkt beim jeweiligen Anbieter und rechnen es für drei Jahre hoch.

PostenShopifyShopware 6
Entwicklung (unsere Richtwerte netto)12.000–25.000 € für D2C25.000–60.000 € für B2B, mit ERP 35.000–80.000 €
Plattformkostentarifabhängiges Abo, laufendLizenz je Edition oder Cloud-Abo
Hostingim Abo enthalteneigener Posten, Mindestanforderungen laut Hersteller beachten
Transaktionsgebührenje Bestellung, abhängig von Tarif und Zahlungsanbieterje Bestellung, abhängig vom Zahlungsanbieter
ErweiterungenApp-Abos, skalieren mit Funktionsumfang und LaufzeitPlugins meist Kauf plus Update-Pflege, eigene Plugins einmalig
Updates und WartungPlattform-Updates beim Anbieter, Theme-Pflege bei IhnenVersionssprünge mit Testlauf, Plugin-Kompatibilität, ab 150 €/Monat
Interner AufwandRedaktion pflegt nach Schulung selbstRedaktion für Inhalte, Entwicklerzugriff für Betrieb
Wechselkosten am EndeTheme, Apps und Sonderlogik werden neu gebautDaten und Code bleiben, Theme und Plugins werden neu gebaut
Kostenposten über drei Jahre, qualitativ. Die Höhe von Lizenzen, Abos und Transaktionsgebühren nennen wir nicht, weil sie tarifabhängig ist und beim Hersteller liegt.

Die belastbare Rechnung hat vier Zahlen je Plattform: Entwicklung einmalig, Plattform- und Hostingkosten für 36 Monate, Wartungsbudget für 36 Monate und die Stunden, die Ihr eigenes Team monatlich investiert.

Migration in beide Richtungen

Beide Wege kommen in der Praxis vor, und beide folgen demselben Muster: Daten ziehen um, Sonderlogik wird neu gebaut, URLs müssen vollständig weitergeleitet werden. Mitgehen können Artikel, Varianten, Attribute und Medien, Kundenkonten mit ihren Preisgruppen sowie die Bestellhistorie als Referenzdaten. Nicht mitgehen können Passwörter, Theme-Code und jede plattformspezifische Erweiterung.

Beim Wechsel nach Shopify ist der unterschätzte Teil die Feldstruktur. Zusatzfelder, die in der alten Plattform frei angelegt wurden — technische Daten, Pflegehinweise, Downloads, Zubehörbeziehungen — landen in Metafeldern und brauchen vorher eine Feldliste mit Typen. Ohne diese Liste entsteht ein Sammelfeld mit HTML darin, das später niemand auswerten kann. Beim Wechsel nach Shopware ist der unterschätzte Teil die Preislogik: Kundengruppen und Konditionen müssen gegen echte Beispielrechnungen aus der Buchhaltung geprüft werden, bevor der erste Kunde bestellt.

Der teuerste Fehler ist in beiden Richtungen derselbe und hat nichts mit der Plattform zu tun. Alte Kategorie- und Produktadressen sind bei Google teils seit Jahren eingeführt. Ohne vollständige Weiterleitungen landen sie auf Fehlerseiten, und was folgt, ist berechenbar: Fehlermeldungen in der Search Console, verlorene Rankings auf genau den Kategorieseiten, die Umsatz bringen, und ein Einbruch, der Monate zur Erholung braucht. Der Relaunch für Wilhelm Schweizer Zinnfiguren in Erlangen, eine Manufaktur mit Produktion seit 1796, lief deshalb aus einem Legacy-Shop nach Shopware 6 mit Custom Theme in Twig und SCSS, zweisprachig für Deutsch und Englisch — und mit vollständiger Redirect-Map.

  • ·Mit um: Artikel, Varianten, Attribute, Medien, Kundenkonten mit Preisgruppen, Bestellhistorie als Referenz
  • ·Nicht mit um: Passwörter, Theme-Code, plattformspezifische Apps und Plugins, Sonderlogik
  • ·Vor dem Umbau: alle indexierten URLs aus Search Console und Crawl exportieren, dazu die organischen Einstiegsseiten der letzten zwölf Monate
  • ·301 auf das inhaltliche Gegenstück — Kategorie auf Kategorie, Produkt auf Produkt, keine Sammelweiterleitung auf die Startseite
  • ·Seiten ohne Gegenstück bewusst abschalten statt still auf eine Fehlerseite laufen zu lassen
  • ·Nach dem Umschalten ein Monitoring-Fenster von sechs bis acht Wochen für Index-Abdeckung, Fehlerseiten und Felddaten

Entscheidungsleitfaden: fünf Fragen mit Konsequenz

Diese fünf Fragen stellen wir in jedem Erstgespräch, und die Antworten fallen in der Praxis erstaunlich eindeutig aus. Wichtig ist die Reihenfolge: Frage eins ist ein Ausschlusskriterium, die übrigen vier verschieben das Gewicht. Wenn zwei Antworten in verschiedene Richtungen zeigen, gewinnt die Preislogik — sie ist der Posten, der sich am schwersten nachträglich korrigieren lässt.

  • ·Sieht jeder Kunde denselben Preis? Nein bedeutet Shopware 6, und zwar unabhängig von allen weiteren Antworten.
  • ·Gibt es Freigaben oder Angebotsprozesse im Bestellweg? Ja verstärkt Shopware 6, nein macht Shopify realistisch.
  • ·Welches System führt Preis und Bestand? Eine Warenwirtschaft als führendes System spricht für Shopware 6, ein im Shop gepflegter Katalog für Shopify.
  • ·Wer pflegt den Shop in zwei Jahren? Ohne Entwicklerzugriff oder Wartungsvertrag spricht das klar für Shopify.
  • ·Entsteht der Preis erst nach einer Konfiguration? Dann sind beide Plattformen der Umweg und Medusa der direkte Weg.

Wenn Frage eins mit „jeder sieht denselben Preis“ beantwortet wird und Frage vier mit „niemand mit Entwicklerzugriff“, dann ist Shopify die Antwort — auch wenn ein Shopware-Projekt für uns das größere Auftragsvolumen wäre.

Was unabhängig von der Plattform gilt

Drei Anforderungen treffen beide Plattformen gleich, und sie werden in Plattformvergleichen fast nie erwähnt, weil sie sich nicht als Argument für eine Seite verwenden lassen. Die erste ist die EU-Produktsicherheitsverordnung (EU) 2023/988. Sie ist seit dem 13. Dezember 2024 anwendbar und verlangt für Online-Angebote unter anderem Angaben zu Hersteller und verantwortlicher Person in der EU sowie Warnhinweise. Das sind Felder am Artikel, ausgegeben auf der Produktdetailseite — in Shopify Metafelder, in Shopware eigene Attribute, in beiden Fällen eine Frage des Datenmodells und nicht des Impressums.

Die zweite ist das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz. Es gilt seit dem 28. Juni 2025 und betrifft unter anderem Verbraucherangebote im elektronischen Geschäftsverkehr. Ob Ihr Shop im Einzelfall darunterfällt, ist eine Rechtsfrage, die wir nicht beantworten. Technisch bauen wir Themes auf beiden Plattformen mit ausreichenden Kontrasten, durchgängiger Tastaturbedienbarkeit, sichtbarem Fokus und beschrifteten Formularfeldern, weil Nachrüsten in einem fertigen Theme regelmäßig ein Vielfaches kostet.

Die dritte ist die Einwilligung für Tracking. Analytics, Remarketing und Conversion-Pixel dürfen erst nach aktiver Zustimmung laden. Das ist keine Plattformfunktion, sondern eine Entscheidung über Consent-Verwaltung und Skript-Auslösung, die in den Scope gehört und nicht in die Nachbesserung. Dazu kommt die Ladezeit: Google nennt als Schwellenwert für ein gutes Largest Contentful Paint 2,5 Sekunden und für Interaction to Next Paint 200 Millisekunden. Beide Werte sind auf beiden Plattformen erreichbar und werden auf beiden regelmäßig von Drittanbieter-Skripten gerissen — ein Plattformvergleich über Performance-Benchmarks vergleicht deshalb Theme-Qualität, nicht Systeme.

  • ·GPSR-Angaben als strukturierte Felder am Artikel modellieren, nicht als Freitext in der Beschreibung
  • ·Kontraste, sichtbarer Fokus, Tastaturbedienung und beschriftete Formularfelder im Theme statt per Overlay
  • ·Consent-Verwaltung und Skript-Auslösung im Scope, mit Entscheidung über serverseitige Messung
  • ·Drittanbieter-Skripte vor dem Go-Live inventarisieren und einzeln gegen ihren Nutzen prüfen

Quellen

  1. Verordnung (EU) 2023/988 über die allgemeine Produktsicherheit (GPSR), anwendbar seit 13.12.2024 — EUR-Lex, Amt für Veröffentlichungen der Europäischen Union, 2023
  2. Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG), gilt seit 28.06.2025 — gesetze-im-internet.de, Bundesministerium der Justiz, 2025
  3. Core Web Vitals — Schwellenwerte für Largest Contentful Paint (2,5 s) und Interaction to Next Paint (200 ms) — Google, web.dev, 2025
  4. Shopware 6 — Systemanforderungen für den eigenen Betrieb (PHP, Datenbank, Arbeitsspeicher) — Shopware AG, offizielle Entwicklerdokumentation, 2026
ONLINESHOP-ENTWICKLUNG

E-Commerce bei Hirnworx

Onlineshops mit Shopware 6, Shopify und Medusa: B2B-Preisgruppen, ERP-Anbindung, Konfiguratoren, Marktplatz-Feeds und Migration mit vollständiger Redirect-Map. Shopware 6 Advanced Developer und offizieller Shopify Partner.

Onlineshop-Entwicklung
FAQ

Häufige Fragen zum Thema

Die Frage hat keine Antwort ohne Kriterium. Shopify ist besser, wenn ein Listenpreis für alle Kunden gilt, das Sortiment sich mit Produkten und Varianten abbilden lässt und niemand mit Entwicklerzugriff den Shop dauerhaft betreut. Shopware 6 ist besser, sobald Kundengruppen eigene Preise haben, eine Warenwirtschaft Preis und Bestand führt oder Freigaben im Bestellweg liegen. Wir bauen beide Plattformen und legen die Empfehlung vor dem ersten Sprint schriftlich vor.

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